Wie zeige ich, was ich gut kann? – Selbstmarketing für Anfänger I.

Text von Joanna Puzik

München. Einst flanierten Bürger über die Boulevards und Stadtgärten der Stadt, besuchten Debütantinnenbälle und ließen sich auf dem Marktplatz blicken, um sich in der Gesellschaft sehen zu lassen. Heute ist das nicht anders, nur das wir in der modernen Welt meist online spazieren gehen. Aber auch hier müssen wir nachhelfen, wenn wir gesehen werden wollen. Doch wie funktioniert die Vermarktung der eigenen Person konkret und überhaupt wo fange ich an?

Bei der diesjährigen Karrieremesse herCAREER verriet Businesscoach Angelika Vavala, wie „Selbstmarketing“ funktioniert und, wie ich meine Erfolge vor Kunden oder dem Chef sichtbar machen kann. Die Personalberaterin Simone Dappert von femalemanagers meets Vavala Coaching gab zahlreiche Tipps dazu, wie ich mein Onlineprofil optimieren kann, um „headhunted“ zu werden. Anschließend gab es einen Crashkurs durch die Kommunikationstrainerin Susi Krauseneck darin, wie ich mich souverän präsentieren und ohne Scheu vor Leuten reden lerne.

Wie beantworte ich die Frage: „Was kann ich besonders gut?“

Angelika Vavala, Businesscoach beim Workshop: „„Karriere-Sprungbrett Selbstmarketing“, bei der herCAREER 2017. Das Thema lockte zahlreiche Messebesucherinnen in das Live- Trainings- Center. Foto © herCAREER – Franz Pfluegl

 

Wie beantworte ich die Frage: „Was kann ich besonders gut?“

Zunächst muss ich mich fragen, was ich besonders gut kann. Diese Frage ist der erste Schritt, den ich tun muss, bevor es darum geht Kunden oder Arbeitgeber anzusprechen. Mit diesem Arbeitsauftrag eröffnete Businesscoach Angelika Vavala ihren Workshop zum Thema „Selbstmarketing“. Eine Gute Quelle, um diese Fragen beantworten zu können sind Leistungsbeurteilungen des Personalchefs. Allerdings kommt es oft vor, dass dieser selbst nicht immer anwesend, geschweige denn so recht wisse, was jeder seiner einzelnen Mitarbeiter leistet. Individuelle Talente bleiben deshalb nicht selten unentdeckt. Besser sei es, rät sie, Kollegen oder Freunde um Rat zu bitten. Auch ein Coach könne helfen. Erst wenn mir selbst klar ist, wo meine persönlichen Stärken liegen, kann ich dafür sorgen, dass man mich und meine Potenziale wahrnimmt, so Vavala.

 

 „Wo liegen Ihre besonderen Fähigkeiten und was gibt es in Ihrem Unternehmen, nur weil es Sie gibt?“

(Angelika Vavala, Businesscoach, herCAREER 2017)

 

Wie ich meine Ziele formuliere:

Angelika Vavala hat in ihren 10 Jahren Selbstständigkeit oft die Erfahrung gemacht, dass besonders Frauen unter falscher Bescheidenheit leiden, oft in der „Wir- Form“ sprechen und annehmen, dass ihre Erfolge von selbst gewürdigt werden würden. Die Realität sieht anders aus, deshalb ruft sie alle Frauen dazu auf selbst aktiv zu werden. Sich rege an einem Mitarbeitergespräch, Geschäftsmeeting zu beteiligen oder sich für ein Sonderprojekt zu melden, seien gute Möglichkeiten, um sich aus der Maße hervorzuheben. Man könne diese Gelegenheiten als „Elevator Pitch“ nutzen, um kurz und präzise zu zeigen:Wer bin ich, was kann ich und wofür können sie mich gebrauchen. Hier gilt es besonders auf die Art und Weise zu achten, wie ich mich mitteile, betont Vavala.

 

Warum ich die „Wir- Form“ besser vermeide:

Statt zu sagen „Wir haben das gemacht“, sei es besser sich und seine eigene Rolle zu betonen, z.B.: nicht einfach zu sagen, man sei konfliktfähig, sondern: „Uns ist es gelungen, weil ich gut mit den schwierigen Kunden umgegangen bin…“ oder „ich kann die Projektleitung übernehmen“, anstatt stumpf zu sagen, man könne gut organisieren. In diesem Moment weiß der Personaler direkt, wo die eigenen Stärken liegen und wo man im Unternehmen eingesetzt werden könne. Durch die Umformulierung verleihe man sich selbst einen gewissen Wert, verriet Vavala.

Selbstmarketing für Anfänger I. Wie lerne ich mich richtig zu präsentieren, um zu zeigen was ich kann?

Angelika Vavala, Businesscoach beim Workshop: „„Karriere-Sprungbrett Selbstmarketing“, bei der herCAREER 2017. Foto © J. Puzik

 

Warum ich Lob annehmen sollte:

Wenn ich mein Ziel erreicht und die Aufmerksamkeit meines Vorgesetzen oder potenziellen Arbeitgebers/ Kunden erregt habe, ist kein Raum für falsche Bescheidenheit. Es sei durchaus erlaubt und auch wichtig für die eigene Selbstwahrnehmung, Lob und gutes feedback anzunehmen und nicht „typisch Frau“ bescheiden herunterzuspielen. Denn noch einmal werde der Chef kein Kommentar oder Kompliment verteilen, wenn es abgewiesen werde, warnt die Unternehmensexpertin.

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Foto: Abigail Keenan by Unsplash

Welche Vorteile es hat sich zu trauen:

Trotz der anfänglichen Überwindung, die es kostet, habe es nur Vorteile seine Komfortzone zu verlassen, sagt Angelika Vavala zum Abschluss ihres Vortrages. Man kann:

  • Sein Wissen steigern
  • Neues lernen und Erfahrungen sammeln
  • Sein Netzwerk erweitern
  • Seine Stärken trainieren
  • Seine Ängste überwinden
  • Ein neues Selbstwertgefühl entwickeln
  • Neue Seiten an sich entdecken
  • Chancen besser nutzen

 

„Tuen Sie Gutes und sprechen Sie darüber!“

(Angelika Vavala, Businesscoach, herCAREER 2017)

 

Wie ich meine digitalen Profile optimiere, um headhunted zu werden

Die Personalberaterin Simone Dappert von femalemanagers ist Expertin auf diesem Gebiet und erklärt, wie ich vorgehen muss, um Kunden und Auftraggeber auf mich aufmerksam zu machen. Es ist wichtig, seine Ziele unbedingt schriftlich zu formulieren, betont Dappert: „Was ich aufschreibe wirkt besser auf mein Hirn.

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Foto ©Unsplash – Cathryn Lavery

1. VORBEREITUNG:

Ich muss wissen was ich will

Wo will ich hin?

Vorab muss ich für mich festlegen, womit ich mich beschäftigen und, wie ich arbeiten möchte. Dazu zählen die Arbeitszeiten, als auch die Frage, wie flexibel ich bin. Möchte ich global tätig sein oder regional? Bevorzuge ich mittelständische Unternehmen oder lieber Start-ups und wie viel Verantwortung möchte ich übernehmen?

Wo will ich weg?

Ich muss mich fragen, wo ich weg möchte, z.B. weg vom Chef oder von einer wenig wertschätzenden Arbeitsumgebung. Erst, wenn ich die Rahmenbedingungen geklärt sind, weiß ich auch nach was für Kunden ich Ausschau halten muss, bzw. für welche Zielgruppe ich in Frage komme.

 

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Foto © Unsplash – rawpixel.com

2. COMING- OUT:

Ich muss sichtbar werden

Suchanzeige:

Ich muss mich sichtbar machen und zeigen, dass ich auf der Suche bin. Wer sich noch in einem Angestelltenverhältnis befindet und nicht möchte, dass es negativ aufgenommen wird bei seinen Chefs, der kann sagen, dass er/sie sich stärker in einem Bereich engagieren möchte, der momentan zu kurz komme.

Kontakte knüpfen:

Ich muss auf Menschen zugehen und mich ansprechbar machen. Das heißt ich sollte gesellschaftliche Veranstaltungen und Fachmessen besuchen, Netzwerke durchforsten und neue Kontakte knüpfen und Visitenkarten zu verteilen. Es ist immer gut sich vorstellen oder empfehlen zu lassen, meint Dappert. Um als Experte wahrgenommen zu werden, sollte man sich an Diskussionen beteiligen und eventuell Artikel für Fachzeitschriften oder Foren in Karrierenetzwerken schreiben.

 

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Foto © Unsplash – Brooke Lark

3. PRÄSENTATION:

Ich muss zeigen was ich kann

Bewerbungsmappe:

Wie bei einer klassischen Bewerbung gilt es eine aussagekräftige Bewerbungsmappe mit meinen Zeugnissen und Referenzen zusammen zu stellen.

Online- Profil:

Heute ist es wichtig mit einem ansprechenden online- Profil auf bekannten Karriere- und Recruiting- Portalen, wie LinkedIN, Xing Pro Jobs, femalemanagers, StepStone, Projektwerk, etc. präsent zu sein.

 

Worauf ich inhaltlich bei meinem Online Profil achten sollte

Ist mein Profil vollständig?

  • Arbeitszeugnisse
  • Auflistung meines Wissens, meiner Erfahrungen und Fähigkeiten
  • Betonung meiner Überzeugungen, Wertvorstellungen und Inspirationen. Dadurch mache ich mich interessant und setze mich von Mitbewerbern ab

 

Wie flexibel bin ich?

Wichtig sind auch Angaben zu meinen zeitlichen Kapazitäten, wie und wann ich erreichbar bin. Wann kann der Kunde anrufen oder, wie lange muss er auf eine Antwort oder einen Rückruf warten? Mit einem Festnetzanschluss zeige ich dem Kunden, dass ich professionell arbeite und mir für sein Anliegen auch Zeit nehme, wenn er anruft, aber auch eine mobile Nummer ist wichtig. Somit geben Sie dem Kunden die Möglichkeit, sie auch in einem dringenden Anliegen kontaktieren zu können.

TIPP 1: Immer antworten! Es macht einen professionellen Eindruck, wenn man auch negative Antworten beantwortet. Es könnte durchaus sein, dass der Headhunter oder Kunde schon das nächste Angebot im Ärmel hat, das besser zu den eigenen Fähigkeiten passt.

 

Welche Lohnvorstellungen habe ich?

Durch die Angabe meiner Gehaltsvorstellungen zeige ich, dass ich meinen Wert kenne. Ich bekomme die entsprechende Anerkennung und meine Kunden oder potenziellen Arbeitgeber werden meine Leistungen nicht in Frage stellen. Hier sind konkrete Zahlen besser als schwammige Aussagen. Es werde generell immer von einer Bandbreite von 20 % ausgegangen- also keine falsche Bescheidenheit, rät die Unternehmensberaterin.

TIPP 2: Unter Vavala Coaching gibt es ein Zieleblatt zum kostenlosen Download.

 

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Foto © Unsplash – William Iven

Worauf ich formal bei meinem Online Profil achten sollte

Ist mein Profil aktuell?

Es sollte korrekt und immer aktuell sein, d.h. auf die Stellen, wo ich gerne arbeiten würde ausgerichtet sein. Ist ein roter Faden erkennbar? Mindestens ein Mal die Woche, sollte ich mein Profil aktualisieren, etwas ergänzen oder umformulieren. Das signalisiert ein waches Interesse. Um seine stärksten Fähigkeiten zu präsentieren, ist auch ein Zitat oder ein „Elevator Pitch“ sinnvoll: „Was will ich in meiner nächsten Stelle machen und welche Probleme lösen?

 

Ist mein Profil stimmig?

Passt mein Lebenslauf zu meinem Profil?

 

Ist mein Profil chronologisch?

Es sollte chronologisch gegliedert sein, so dass mein Werdegang nachvollziehbar ist. Der Personaler muss schnell erfassen können wer ich bin und was ich ihm bieten kann.

 

Ist mein Profil mehrsprachig?

Es ist gut immer einen deutschen, aber auch einen englischen Lebenslauf (CV) parat zu haben.

 

Ist mein Profil hochwertig?

Es sollte hochwertig sein. Personaler legen viel Wert darauf, dazu gehört auch immer ein anspruchsvolles Format und Foto.

 

Ist mein Profil richtig verschlagwortet?

Eine richtige Verschlagwortung ist sehr wichtig, daher macht es Sinn ruhig drei bis vier Job Titel, auch in Englisch aufzulisten, weil Rekrutierter verschiedene Begriffe (keywords) verwenden. Auch wenn neue Unternehmen gerne kreativ klingende Job Titel verwenden, ist es effizienter klassische Berufsbezeichnungen zu verwenden- und immer in der männlichen Form!

 

Ist mein Profil zu persönlich?

Als Orientierungshilfe kann man den eigenen Namen zu „googlen und in die Suchleisten bei Social Media einzugeben. Abhängig vom Ergebnis ist es ratsam eventuell zu persönliche Bilder und Beiträge herauszunehmen. Fotos von der letzten Party oder im Badeanzug zeigen kein professionelles Bild, warnt Simone Dappert.

 

Wie lerne ich mich richtig zu präsentieren, um zu zeigen was ich kann?

Susi Krauseneck, Kommunikationstrainerin beim Workshop: „Vor Leuten reden, das ist nicht meins“ bei der herCAREER 2017. Foto © J. Puzik

Wie ich meinen persönlichen Auftritt trainiere, um von mir zu überzeugen

Auch wenn mein digitales Profil mich nun von meiner Schokoladenseite zeigt, so muss ich in der persönlichen Begegnung mit Kunden, potenziellen Auftrag- oder Arbeitgebern und Vorgesetzten oft mit weit aus schwierigeren Hindernissen rechnen. Denn, wie die Kommunikationstrainerin Susi Krauseneck beim herCAREER Workshop ihren zahlreichen Zuhörerinnen mitteilte, es geht nicht, nicht zu kommunizieren (Zit. Paul Watzlawick). Sie gab einen Crashkurs darin, wie ihr euch souverän präsentieren und ohne Scheu vor Leuten reden lernt.

 

Wie sich das Selbst- von dem Fremdbild unterscheidet

Meine Ausstrahlung, Körpersprache, meine Wortwahl und sogar die Lautstärke meiner Stimme, senden direkte und indirekte Signale an mein Gegenüber. Frauen sollen von Natur aus große Selbstkritikerinnen sein, deshalb deckt die Kommunikationsexpertin auf, wie unterschiedlich die Wahrnehmung des eigenen, vom Fremdbild sein kann. Wer das einsieht, sei schon einen großen Schritt weiter, so Krauseneck. Erst wer seine eigene Körpersprache bewusst erlebt und kennenlernt, kann Stolpersteine umgehen, betont sie: „Ganz wichtig sei, die Großzügigkeit sich Fehler zu erlauben.“

 

Wie ich die Angst vor der eigenen Stimme überwinde

Zu aller erst muss ich mir aber erst bewusstwerden, wie ich in der persönlichen Begegnung auf andere wirke. Sie selbst bietet bei der mbw GmbHs , der Medienberatung der Wirtschaft Videoanalysen an, an Hand derer sie mit ihren Kunden, deren Stärken und Schwächen erörtert. Im kleinen Rahmen sei dies aber schon mit Hilfe von Freunden oder selbst aufgenommene Video oder What´s App Voicemails möglich. Wer sich und seine Stimme, so fremd sie zu Beginn klingen mag, gehört hat kann sich ein Bild davonmachen, wie er oder sie auf andere wirkt, sagt Krauseneck. Sie selbst war Jahre lang Radio Moderatorin und bestätigt dieses Fremdgefühl, wenn man zum ersten Mal seine eigene Stimme auf Band hört.

„Auch ohne ein Wort zu sagen, Senden wir Signale.“

(Susi Krauseneck, Kommunikationstrainerin und Medienberaterin, herCAREER 2017)

Wie ich die verborgenen Signale meines Körpers erkenne und zum Vorteil verändere

Die zierliche Moderatorin stemmt die Hände in die Hüften und blickt das Publikum erwartungsvoll an. Damit vermittelt sie ihrem Gegenüber, dass sie kompromisslos ist, dass er sich anhören muss, was sie zu sagen hat. Es ist wichtig und nicht verhandelbar. Würde sie ihre Beine hingegen verschränken und ihren Blick nicht klar geradeaus, sondern gesenkt halten, würde sie Niemanden überzeugen können, veranschaulicht sie deutlich.

 

Wie kleine Gesten mich glaubhafter machen: Kleiner Schluck mit großer Wirkung

Sogar der Schluck aus einer Wasserflasche während eines Vortrage, kann ein strategische Zug sein, um mich menschlicher und glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Steve Jobs beispielsweise nutze diese Geste sehr häufig um zu zeigen, dass bei Apple alles cool und easy ist. Er spiegelt durch seinen Auftritt quasi die Unternehmens Philosophie wieder. Schon mit kleinen Gesten könne man die Reaktion oder das Empfinden unseres Gegenübers beeinflussen, meint die Kommunikationstrainerin.

 

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Erfolg

und Spass bei eurer Reise zu einem neuen, optimierten ICH.

Eure Joanna

 

PS. Dies war ein Beitrag, der dreiteiliegen Kolummne zum Thema:

Experten berichten auf der herCAREER, worauf es wirklich ankommt – Selbstmarketing für Anfänger I-III.

Experten berichten auf der herCAREER worauf es wirklich ankommt -Selbstmarketing I-III

Bei meinem Besuch der herCARREER hatte ich die Gelegenheit mehrere Workshops und Vorträge besuchen zu können, die auf eine kurze und verständliche Weise die Basics vermittelt haben, worauf es bei der Vermarktung der eigenen Person ankommt. In den folgenden drei Beiträgen zum Thema: „Selbstmarketing für Anfänger“ habe ich die wichtigsten Erkenntnisse, Experten- Tipps und praktische Übungen für euch zusammengefasst. Zur Übersicht

WHAT TO DO? & MY BENEFITS:

Alle Strategien und Methoden, wie ihr euch am besten präsentieren könnt- online, wie im echten Leben, findet ihr in meinem nachfolgenden Beitrag:

Warum Selbstoptimierung mich nicht nur beruflich, sondern auch privat weiterbringt

Warum Selbstoptimierung mich nicht nur beruflich, sondern auch privat weiterbringt Cover

4 Gedanken zu „Wie zeige ich, was ich gut kann? – Selbstmarketing für Anfänger I.

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