Pettersson & Findus sind wieder da – Diesmal mit einem Hahn im Korb

Das Figurentheater Stella präsentiert ihr neues Stück

Ein neues Abenteuer, unerwartete Überraschungen, Spezialeffekte und Lieder zum Mitsingen

Münster. Verregnete Wochenenden in Kombination mit gelangweilten Kindergartenkindern sind für uns Eltern, wie Kinder eine wahre Zumutung. Wie gut, dass es in Münster und Umgebung ein reichhaltiges Kulturprogramm für Kinder gibt. So lud vergangenen Sonntag das Figurentheater Stella zu ihrer Vorstellung im Bürgerzentrum Kinderhaus. Das Theaterduo gab gleich zwei Vorstellungen pro Tag und präsentierte ihr neues Stück „Findus und der Hahn im Korb“. Wie es war und worum es in dem Stück geht erfahrt ihr hier.

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Aktueller Flyer zum neuen Kinderprogramms des Fiigurentheaters Stella: Findus und der Hahn im Korb. © M.Sperlich

Neue Freunde und Spezialeffekte

Für die jetzige Geschichte hat Mathias Sperlich eigens eine neue Handpuppe angefertigt, den Gockelhahn Caruso. Ganz, wie sein Großvaters Andreas Maatz, der bereits dem Figurentheater verfallen ist und diese Leidenschaft an seinen Enkel weitergegeben hat, widmet der 30.-jährige nun selbst etliche Stunden, um seine Protagonisten aus Holz und einem formbaren Kunststoff herzustellen.

Entstehungsprozess von Hahn Caruso. Figurenwerkstatt Mathias Sperlich
Die Entstehung dokumentiert Mathias in einer kleinen Fotostory auf ihrer Fanseite bei Facebook. Fotos: © M. Sperlich

Für die Umsetzung des Stückes mussten sie eine Lizenz für die Originaltexte erwerben. Da es etwas anderes ist eine Geschichte vorgelesen oder in einem Kindertheater vorgespielt zu bekommen, hat Edwina etliche Passagen auf das junge Publikum umgeschrieben. So ziehen sich beispielsweise die immer wiederkehrenden Sätze des alten Petterssons, wie „Ich habe aber keine Lust…“, wie ein roter Faden durch die Handlung. Frei gesprochene Sequenzen und Interaktionen mit den Kindern im Saal, die zum Mitsingen und Rufen animieren, machen jeden zu einem Erlebnis. Die Kinder sind hautnah dabei, quasi ein Teil der Handlung.

Strahlende Kinderaugen beim Figurentheater Stella
Ganz vorne mit dabei, die vierjährige Annabell und ihr Bruder Arthur, der sich schon seit zwei Jahren auf die Fortsetzung freut. Foto © J.Puzik

Neu im Programm sind nun auch Spezialeffekte, wie etwa das selbst hochfahrende Bühnenbild oder aufpoppende Sprech- und Gedankenblasen. Die Bühnen- und Soundtechnik gehören neben dem Figurenspiel zu Mathias Sperlichs Leidenschaften. Ständig überlegen sie sich, wie sie etwas noch schöner und spannender gestalten können. Schließlich sind unsere Kinder mittlerweile medientechnisch ganzschön anspruchsvoll geworden.

 


Figurentheater zum Anfassen: Songeinlagen zum Mitsingen

Schon während ihrer ersten Tournee 2018 haben Edwina und Mathias gemerkt, dass einige Szenen noch attraktiver werden können, durch ein Lied beispielsweise. Und so durften die Zuschauer sich in der zweiten Spielsaison über ein eigens von Edwina geschriebenes Lied freuen, das ihre Sprechfigur Findus vorsingen durfte.

„Das kam richtig gut an bei den Kleinen“, berichtet sie bei meinem Besuch im vergangenen Frühjahr. Deshalb hat sie mit ihrem Mann beschlossen, dass auch in ihrem neuen Stück ein Song nicht fehlen dürfe. Diesmal sind es sogar zwei Lieder.

Zweiter Akt Findus und der Hahn im Figurentheater Stella
ALs der Han Caruso auftaucht ist nichts mehr, wie vorher. So prächtig und schön ist er anzusehen, was Findus so überhaupt nicht nachvollziehen kann. Foto © J.Puzik

Mit einer sanften Bassstimme verzaubert der Gockel Caruso nicht nur die Hühnerdamen, sondern bringt auch die Kinder dazu freudig mitzusingen. Im Originaltext gibt es die Songeinlagen nicht, aber viele Kinder kennen die Liedertexte aus der Hörspielversion ihrer Tonie- Figuren, sagt Mathias.

Im zweiten Akt lässt sich der kleine Kater Findus mit einem lamentierenden Singsang darüber aus, wie schrecklich es führ ihn sei, dass nun der Gockel auf dem Hof ist. Vorher war er es gewesen, der die Hühner über den Hof gejagt hat und mit dem sie viel Spaß hatten. Nun haben sie nur noch Augen für den Hahn.

Findus: „Ich weiß noch genau, wie es früher mal war: Der Alte, die Hühner und ich. Es war doch so schön bei uns auf dem Hof. Mir jedenfalls fehlte nichts.

Dann hat der Alte den Hahn angeschleppt – das musste nun wirklich nicht sein! Seitdem der hier rumläuft ist nichts mehr, wie´s war, dazu jeden Tag dies Geschrei.

Ich verkriech mich, verdrück mich, auf´s Dach, auf den Boden und halt meine Ohren fest zu. Ich bin sauer, auf Dauer halt ich das nicht aus. Ich muss ganz schnell irgendwas tun. Wie stell ich das an, wie mach ich das bloß? Wie werde ich den albernen Gockel nur los?

„Die Hühner und ich, wir spielten so schön. Ich doch auch meistens ganz lieb. Doch seitdem der Hahn sein Unwesen treibt, ist meine Laune so mies. Das ist so ungerecht, was hier passiert. Es geht hier nur noch um den Hahn, wie dämliich der aussieht, wie affig der geht und dazu kommt, dass der ja gar nix kann.

Ich verkriech mich, verdrück mich, auf´s Dach, auf den Boden und halt meine Ohren fest zu. Ich bin sauer, auf Dauer halt ich das nicht aus. Ich muss ganz schnell irgendwas tun. Wie stell ich das an, wie mach ich das bloß? Wie werde ich den albernen Gockel nur los?

Interpretiert von Edwina Sperlich alias Findus.


Pädagogischer Anspruch

Findus ist ja bekannt für sein quirliges Gehabe. Wie ein Kind, das mit seinen Emotionen noch nicht so recht umzugehen weiß reagiert er genervt, meckert und tüftelt einen listigen Plan aus, wie er dem neuen Mitbewohner das ständige Krähen und sein stolzes Federgehabe austreiben könne.

Mit einem fingierten Brief, der vermeidlich aus Petterssons Feder stammt trixt er Caruso aus und bringt ihn in der Tat zum Schweigen. Zunächst darf er nur einmal die Stunde krähen, dann nur noch einmal morgens und abends und das für nur eine einzige Minute. Ansonsten lande er im Suppentopf des Nachbarn. Caruso geht ein vor Kummer, weil er nun das Einzige, was ihn auszumachen scheint, verloren hat und nimmt reiß aus.

Da ist Findus wohl zu weit gegangen. Selbst die Kinder im Zuschauerraum finden, das sei ganz schön fies gewesen. Und nun ist er fort, wohin weiß keiner. Hoffentlich wird er nicht vom Fuchs erwischt sagt Pettersson, der von der Hinterlist nichts weiß. Da tut es selbst Findus richtig leid. Aber es ist zu spät, um sich bei Caruso selbst zu entschuldigen.


Eltern-Kind-Beziehung spielerisch stärken

Die Anfangsszene, die für erwachsene Zuschauer etwas langatmig und lustlos erscheinen mag, spiegelt im Grunde sehr deutlich wider, wie ein Alltag mit kleinen Kindern verlaufen kann.

Pettersson hat auf dem Hof so viele Sachen zu tun, die bislang unerledigt geblieben sind, dass er resignierend auf seinem Stuhl Platz nimmt und sagt: „Ich habe keine Lust“. Viel lieber würde er nur hier dasitzen und beim Kaffee Luftlöcher starren. Völlig unverständlich in den Augen des kleinen Katers. So ein Tag sei doch viel zu schade, um Trübsal zu blasen. Er tänzelt um Pettersson herum, kippelt auf dem Stuhl und steigt sogar auf den Tisch, nur um die Laune des Alten zu heben. Vergebens, stattdessen gibt es nur ordentlich Ärger. Nach der schroffen Ansage lässt der gestreifte Tiger den Kopf hängen, so dass Pettersson gleich das schlechte Gewissen packt. Eine Szene, wie sie alle Eltern kennen.

Glücklicherweise sieht der Alte seinen Fehler sofort ein und entschuldigt sich bei seinem Katerfreund. Nur weil er schlecht gelaunt ist, sei dies kein Grund dafür ihn so anzufauchen. Als Wiedergutmachung will er Findus den Wunsch erfüllen und ihm Pfannkuchen backen.

Erster Akt Findus und der Hahn im Figurentheater Stella
Im ersten Akt müssen die großen Zuschauer Geduld beweisen, ebenso, wie Pettersson, der gerade auf so rein gar nichts Lust hat und sich von Findus auf der Nase rumtanzen lässt. Foto © J.Puzik

Unerwartete Wendungen und „schlechte Überraschungen“

Aber ohne Eier geht das schlecht. Wiederwillig macht er sich zu seinem Nachbarn Gustavson auf. Statt mit Eiern kommt er jedoch mit einem mysteriösen Korb wieder zurück. Es gibt weder die ersehnten Pfannekuchen für Findus, noch ist das Geschenk im Korb für ihn gedacht. Herausspringt ein buntes Federvieh, das Findus auch noch die Stellung auf dem Hof streitig macht. Und so nimmt die Geschichte ihren Anfang.


Die Moral der Geschichte

Im wahren Leben kennen wir Eltern das auch. Wenn zum Beispiel ein Geschwisterkind geboren wird oder ein neues Kind in der Kindergartengruppe auftaucht. Da geht es mit unserem Liebling wohlmöglich auch mal durch, das sei völlig normal, berichten Verhaltenspsychologen. Wichtig sei aber, dass wir unserem Kind als engste Bezugspersonen zur Seite stehen und ihm oder ihr helfen auch mit negativen Emotionen umzugehen. Selbst ein kleiner Trotzkopf braucht das Gefühl, dass er geliebt wird, nämlich genauso, wie er oder sie ist.

Findus: „Denn Freunde es ist wichtig, dass man jeden so akzeptiert, wie er ist. Zum Beispiel Pettersson. Auch wenn du manchmal sauer bist, wie Sauerkraut (…) mag ich dich so, wie du bist. Freunde, weil wir halt so unterschiedlich sind, ist doch unsere Welt so besonders. Und man sollte seine Freunden hin und wieder mal sagen, wie gern man sie hat, wie wichtig sie einem sind. Deshalb sag ich dir jetzt was Pettersson: Du bist mein aller, aller bester Freund. Auf der ganzen weiten Welt, das bist du.“

Auch Pettersson sagt seinem kleinen Katerfreund, dass er ihn liebhat. Am Ende sieht dieser nämlich zum Glück ein, dass sein patziges und hinterlistiges Verhalten nicht ganz in Ordnung gewesen ist.

Nur zu dumm, dass er sich nicht mehr bei Caruso persönlich entschuldigen kann. Der ist davongeflattert. Und zurückgelassen hat er nicht nur die Erfahrung, dass man neuen Kameraden eine Chance geben muss, sondern auch eine ganze Scharr kuscheliger Küken. So kann Findus zumindest die Folgen seiner Handlung dadurch abmildern, dass er verspricht sich um Carusos Kinder zu kümmern.

Da hat sich der Gockelhahn doch mehr mit den Hühnerdamen vergnügt als für Kinderohren lieb ist. Aber diese Anspielungen waren im Stück gewiss nur für die Ohren der Eltern und Großeltern bestimmt. Schließlich bedeutet ein Kinderprogramm an einem Sonntagnachmittag nicht, dass sich nicht auch die Großen amüsieren dürfen.

Eintrittskarten für das Figurentheater Stella

Der Anblick der kleinen Zuschauer, wie sie es kaum schaffen ruhig auf ihren Sitzen zu hocken, die aufgerissenen Augen und die lauten Mitrufe, bei den Gesangseinlagen lassen einen das graue Niselwetter, das uns draußen wieder erwartet, kurzweilig vergessen. Den Kleinen ist es jedenfalls egal. Sie gehen mit dem Ticket in der Hand nach Hause, als würden sie eine Trophäe heimtragen.

Pettersson und Findus in Münster Kinderhaus ret
Zum Schluss dürfen sich die Kinder noch ganz nah von den Titelhelden und von dem Künstlerpaar verabschieden. Foto © J.Puzik

Zurück bleiben nur die leeren (200) Plätze und eine Spur aus Popkornresten auf dem Fußboden. Auch das gehört zum Schaustellerleben dazu und so packen Edwina und Mathias Sperlich am Ende wieder ihr gesamtes Bühnenequipment in ihre Taschen und fahren es zur nächsten Station auf ihrem Tourneeplan.


Pettersson und Findus aliias Mathias und Edwina Sperlich
Mathias und Edwina Sperlich stehen nicht nur unter der Bühne, sondern bedienen auch die Technik, führen die Kasse und begrüßen ihre Gäste persönlich. Foto © J. Puzik

Nächste Termine:

Wann und Wo? Das verrät euch das Künstlerpaar gerne selbst auf der Homepage des Figurentheaters STELLA und der Fanpage auf Facebook oder direkt bei Mathias Sperlich unter 0172 9160047.

Durch die Presse bekannt ist beispielsweise schon mal der Termin am 15. Februar um 14 Uhr in der Stadthalle in Rheine.

Veröffentlicht von Joanna Puzik

Ich bin Joanna Puzik, Kulturanthropologin, Kunstliebhaberin, Querdenkerin und deine Assistentin, wenn es um kreative Texte für kluge Köpfe geht. Meine Liebe zur Kunst zeigte sich schon in der dritten Klasse, da habe ich mir das Fach „Basteln“ gewünscht. Die Liebe zur Sprache flammte erst in der Oberstufe auf, davor stand ich, als Kind mit schlesischem Migrationshintergrund auf Kriegsfuss mit Rechtschreibung und Grammatik. Durch mein Studiums der Kunstgeschichte und Kultur- Sozialanthropologie wurde ich vom multikulturellem Flair der Erasmusgeneration angesteckt. Es folgten etliche Reisen, von Backpaking in Griechenland bis ins traumhafte Venedig. Finanziert durch eine Vielzahl von Studentenjobs: Nachhilfe, Kellnern, Promotion bis hin zur Modeverkäuferin und Mitarbeiterin im Customerservice. Tätigkeiten, die mich viel über die Bedürfnisse von Kunden gelehrt haben und, wie wichtig eine gemeinsame Sprache und Empathie sind, um Vertrauen und Kontakte aufzubauen. Erfahrungen, die einen nur das Leben selbst lehren kann. Heute lebe ich mit meinem Mann und unseren Kindern in Steinfurt und stehe dir mit viel Enthusiasmus als freie Texterin und Kulturjournalistin zu Diensten.